Posts mit dem Label Moritat werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Moritat werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 1. Juli 2018

Z 1700

Am 9.10.2015 fuhr ich kurz vor Beginn der Revisionszeit mit der Seilbahn auf den Patscherkofel um noch einen letzten Herbsttag am Kofel zu genießen.


Es war in dieser Zeit nicht ganz klar, wann die letzte Fahrt mit der alten Seilbahn direkt von Igls aus möglich sein würde; dass es bis dahin noch fast zwei Jahre wären, war damals längst nicht offensichtlich. 

Die Herbstnebel umhüllten den Kofel und ich wanderte zum Gipfel, um aus der Wolkenschicht hinaussehen zu können. Die feuchte Luft dämpfte jedes Geräusch. Nach ca. 80 Höhenmeter Aufstieg brach die Sonne durch und gab den Blick auf das weich gebauschte Nebelmeer über dem Inntal frei. Die tiefstehende morgendliche Sonne legte den Schatten des Kofels über dieses Meer aus dem einzelne Wolkenfetzen befeuert durch die beginnende Erwärmung des Tages hochstiegen. Die verfärbten Lärchen waren von glitzerndem Tau überzogen. 

Patscherkofelhaus im Nebel
Brockengespenst. Das wird uns im Text in gewisser Weise nochmals begegnen.

Diese Anblick genießend wanderte ich gemächlich über den Kofel nach Boscheben, wo die Nebeldecke gerade den Grat berührte….und weiter auf dem Zirbenweg , dort wo der Weg in den Doppelgrat wechselt. Ein verwunschener Platz, der wie ein überdimensionaler Steingarten wirkt. Mit einem Schritt gelangt man dort von einem trockenen Waldhang, den immer wieder die Sonnenstrahlen durchbrechen und den stets harziger Geruch umweht, auf eine Seite im Zwielicht: 

Felsplatten, wirr aufgetürmt und verkeilt, teilweise von Moos und Flechten bewachsen, Schlünde und Klüfte die ins Bergesinnere reichen, Gestrüpp, gestürzte Bäume, dunkel und feucht aushauchende Erde. Behütet von zwei niedrigen Bergflanken, die den Blick nach außen hemmen, Wind abschirmen. Ein seltsam entrücktes und wohl auch manchmal unheimliches Paradiesgärtchen. 

Hier an diesem Ecke saß er wohl damals, am 1.7.1950. 

Das dachte ich mir eben als ich den Garten betrat. 


Nicht einmal dran denken. 

Doch der Reiz des Grauens ist manchmal stärker. Unschlüssig wanderte ich durch den Garten weiter ostwärts, dort wo der Zirbenweg dann endgültig auf die Inntalseite wechselt. Eine Bank mit Blick auf den Issboden steht dort etwas abseits des Weges. 

Die Geschichte kannte ich wohl schon lange aus Erzählungen meines Vaters. Er hat bei Touren am Kofel darüber gesprochen, ob es wohl in diesem oder jenen Blockfeld, bei dieser oder jener Felsformation geschehen war. Er wusste es nicht. Damals waren die Akten noch nicht allgemein zugänglich. Fast betulich besprach er diesen oder jenen Ort als wollte er dort ein Murmeltier herauskitzeln, wohl wissend dass es sich beim „Zingerle“ um kein possierliches Wesen handelte. 

Im Herbst 2015 hatte ich gerade ein Buch über ihn gelesen, in dem Ort des Geschehnisses ziemlich genau, auf ein ca. 1ha großes und ca. 100 Höhenmeter umfassendes Areal zwischen Issboden und Zirbenweg eingegrenzt wurde. Mir hatte diese Information an sich gereicht und schien mir nicht die Neugier nach noch mehr Detailwissen anzuregen. 

Dieser 9.10.2015 war aber anders. Ich saß nur kurz auf der Bank und ließ den Blick über Jochtal, Issboden und vorbeistreichende Nebelfetzen schweifen. 100m von hier. In den Fünfzigerjahren stand ein Gedenkkreuz dort. Stünde es noch heute? Wo mag es wohl sein auf einem Hektar Blockfeld? Mittlerweile stieg der Nebel wieder und bannte die Sicht nach unten. Ich schlenderte den Zirbenweg weiter. 

Jäh führt wenige Meter weiter ein Steig links hinab in den Zirbenwald. Der Weg zum Issboden. Altbekannt. Ich stieg ab, 20, 40, 60 Höhenmeter. Dort blieb ich unvermittelt stehen und wanderte westwärts ins Gelände. Nach wenigen Meter Ernüchterung. Nein hier würde ich es an seiner Stelle nicht machen. Sollte ich noch tiefer steigen? 

Ich kehrte um. Bergwärts. Ein weiter Versuch. Ein kleiner Boden. Vielgestaltige Wildgänge, die sich zwischen Horsten von Blau-, Rausch- und Krähenbeeren verzweigen und wieder zusammenfinden, schlussendlich auf einem schmalen von Almrosen teilweise überwucherten Pfad treffend, zwischen zimmerhohen Felsstufen beinahe eben verlaufend hinein in ein Blockfeld. Einzelnen Stufen zwischen Steinen. Oder doch nicht? Die Spur verlief sich. Ich stand da. Der Nebel nicht mehr sehr stark, denn von oben brach die Sonne durch. Um mich herum jedoch noch immer nur Schemen. "Ich werde mir das ein anderes Mal bei besseren Verhältnissen ansehen müssen", dachte ich. Denn der Fels ist vom Nebel feucht. Kein guter Zeitpunkt zum Blockfeldhüpfen. Ich wandte mich um. 

Eine Unstimmigkeit im Augenwinkel zwang mich innezuhalten. 
 
Suchbild, kurz nach dem beschriebenen Augenblick aufgenommen

Kaum fünf Meter von meinem Standplatz das Kreuz. Unverändert, wie es einst um 1950 aufgestellt wurde. Mit eingefrischter Zirbentaxe in einem kleinen Glas. 

Meine Nackenhaare sträubten sich. Nicht wegen des Ortes sondern wegen meiner Methodik des Dorthinfindens. Beschämt gedachte ich des Opfers. 

Interessant ist, dass für englischsprachige "Mord" eindeutig ist, für uns jedoch das adjektiv "bestialisch" nötig schien.

 Verhalten neugierig blickte ich in die Höhlung unter dem großen Block, wohl kaum 2 auf drei Meter groß und vielleicht 1,5m hoch, die ein kurzes doch qualvolles Gefängnis an jenem Abend des 1.7.1950 war. Ich habe den Ort danach ziemlich zügig verlassen und mich den sonnigen Anhöhen zugewandt. 

Zurückgekehrt bin ich recht bald wieder, da die Seilbahn auch noch Anfang November 2015 weiterfuhr. Damals war das Wetter „sachlicher“ und ich habe den Platz noch einmal „bei Lichte betrachtet“. Über das Erlebnis habe ich im kleinen Kreis seit damals öfter gesprochen. Interessant dabei ist das „Verhängen“ der Gedanken beim Täter, nicht wie es sich geziemen würde, beim Opfer und ich bitte diese Gedankengänge nicht als pietätlos zu werten: 

Wie ist er wohl von der Langstraße zum Issboden gegangen? Welche Spur mag dem echten "Zingerlesteig" folgen, rechtwinkelig zum Almenweg 1600? War Zingerle im tiefsten Inneren ein Romantiker, der eine Gespielin in seinen Murmeltierbau locken wollte? War er durch seine Jugend und Kindheit falsch programmiert oder hat ihn der Aufenthalt als Soldat in den italienischen nordafrikanische Kolonien (Abessinienkrieg) abartig geprägt? 

Die Geschichte war bei meinem ersten Besuch 65 Jahre her. Unmittelbare Angehörige des Opfers leben wohl längst nicht mehr. Bei aller Grausamkeit ist das Verbrechen, selbst wenn man vor dem Ort steht, merkwürdig abstrakt. Was bleibt ist der Gedanke, dass auch an sehr schönen Orten nicht mit Sicherheit gesagt werden kann, ob sich dort Gewalttaten zugetragen haben. Dieses Möglichkeit schwingt immer mit. Immerhin bin ich mehr als 40 Jahre an dem Ort gewissermaßen ungerührt vorbeigegangen.

Bei einer abendliche Tour im Sommer 2017
Epilog:

Interessant ist, dass der Stoff kürzlich verfilmt wurde. In der Liste der Sponsoren taucht auch die Patscherkofelbahn auf. Der Film wurde bis jetzt aber m.W. nicht ausgestrahlt.

Online ist das Geschehnis übrigens hier in einem Artikel von Frau Petra Happacher ausführlicher beschrieben. Sie hat offenbar etwas länger als ich gesucht, bis sie den Platz fand.

Dienstag, 15. Mai 2018

Bugazi? Nein. Angerer.

In einem kühlen Grunde....das kurz vor 1816 verfasste und vertonte Lied passt wohl hier nicht ganz

 Östlich von Tulfes, am Weg nach Volders, ist der Tulferbach zwischen dem Heißangererplateau und der sogenannten Geschleinsburg schluchtartig eingeschnitten. 

An der lauschigsten Stelle, unweit der Stelle wo sich die Wege von Hall und Volders nach Tulfes treffen steht die Bugazikapelle. Sie erinnert an das, was sich am 23.3.1816 dort zugetragen hat. Ein gewisser Bugazi lauerte dort Frau Gertraud Angerer auf. Sie war vom Markt in Hall nach Hause unterwegs. 

Er wurde zudringlich, sie wehrte sich. Er schlug sie mit einem Beil nieder. Die Frau wurde schwer verletzt aufgefunden und verstarb einen Tag später, nicht ohne dem bereits am Vortag gefassten Täter zu verzeihen. Das mag auch mit ein Grund ein, dass nun in der Schlucht dem Täter, 100m Höhenmeter weiter oben in der Hauskapelle des Angererhofes dem Opfer und seinem Tod gedacht wird. Die ganze Geschichte kann hier (Chronik Tulfes) nachgelesen werden. 

Erstmals hat mir die Geschichte meinen Vater auf einer Wanderung in der Gegend vor gut 40 Jahren erzählt. Kürzlich habe ich mich auf einem Ortsplan von Tulfes über die Bugazikapelle gewundert, da es doch wohl eher um das Opfer gehen sollte. Die hier kurzgefasste Geschichte mag erklären, warum es zwei Gedenkorte gibt, die zudem mit einem kleinen Kreuzweg (neuere Datums) verbunden sind. Trotzdem machen die Überbleibsel eher den Eindruck, als würden die Geschehnisse des Jahres 1816 dem Vergessen anheim fallen. Erschreckend ist auch, wie der sich der (Heiß)Angererhof gewandelt hat. Das historische denkmalgeschützte Gebäude ist nur mehr ein Schatten seiner selbst. 

Bugazikapelle am Tulferbach 
Die Bugazikapelle ist vielmehr ein Bildstock mit einem  kurzen Text zum Moritat.

Darin findet man eine stark verfallen Darstellung der Vorfälle am 23.3.1816

Das hier dürfte die Auffindung der Schwerverletzten darstellen, links unten eilt Bugazi mit dem Beil davon.

Zur Rechten möglicherweise Katharina von Gonzaga

Mittig die Muttergottes im beliebten Cranach-Motiv

Links schaut  das selige Anderl von Rinn auf die Szenerie herab


Kreuzweg 

Über einen Kreuzweg käme man fast bis zum Angererhof, doch kurz davor ist die Wiese abgezäunt und man muss einen Umweg von ca. einem Kilometer machen

Hofkapelle am Heißangerer und Bauernhof
Auch in der Hofkapelle ist eine Cranachmadonnen-Motiv zu finden

Auch die Hofkapelle ist beschriftet.

Wanderer gehe nicht vorüber,.... zum Nachlesen

Links vom Eingang ist dieses Votivbild zur Todesstunde der Frau Angerer aufgehängt.
Der geschichtsträchtige Hof hingegen verfällt. Ein neuer Stall wurde errichtet; das Wohnhaus steht nun nur mehr ohne Tennen da und neue Wohnhäsuer wurde drum herum errichtet. Symptomatisch für die Umlandgemeinden: So vergißt man die Wurzeln und kompensiert den Mangel an Tradition mit Flachdachverboten und ähnlichem.

Und dann, wenn alles Orignale hin ist, möchte man Barock nachahmen, der hier noch an der Fassade prangt. Nun gut - Barock ist es auch nicht, sondern der umgangssprachliche Bauernbarock, der sich authentisch wohl stellenweise bis 1900 gehalten hat.


Gschleinsburg
Über allem  steht ungerührt das Plateau der Geschleinsburg, das möglicherweise prähistorische Sieldungsreste birgt.

Mittwoch, 6. April 2011

Wien


Eine seltsame Beziehung besteht zwischen dem Bundesland Tirol und der Bundeshauptstadt Wien. Tatsächlich scheint es eine einseitige Liebe der Wiener zu den Tirolern zu sein, die vielfach unerwidert bleibt.
Auch ich habe mich wohl dementsprechend wie ein richtiger Tiroler verhalten – und in meiner Jugendzeit beäugte ich sowieso alles östlich von Jenbach mit sehr kritischen Augen – wohl auch, weil der „Osten“ (schon) damals politisch ziemlich belastet war und man als Kind nicht viele Unterschiede zwischen dem Nahen Osten, dem kommunistischen Osten oder dem fernen Osten machte…
Wien hinterließ zudem immer den Eindruck eines erweiterten Friedhofes in dem der vergangenen Größe Österreichs nachgetrauert wird. Und so war  Wien immer umwölkt vom grauen Lichte des Moders und der Trauer. Eine Stadt in der Allerseelen permanent gefeiert wird und in der der in der Stadt prägende sonst so lebensfrohe gemeinte Barock den Charme von Grabdenkmälern versprüht.

Was soll man dazu nun als Erwachsener sagen?
Es ist so, wie die oben beschriebenen Eindrücke.
Aber Wien ist auch anders, wie schon der Werbeslogan der Stadt sagt.
Wie schon Doderer über den Wienerwald schreibt Der Wienerwald ist dem Tode nicht fremd. Dieser geht dort vielfach um. Es ist eine bedenkliche Landschaft“ 
aber auch eine Landschaft unter dem unbedingten „Ätherblau“ des Steppenhimmels östlicher Weiten.
Dort wo Wien „hinten offen"* ist. Die Donau nahe der Endstation Praterkai der Straßenbahnlinie 21, 2008, als sie noch dorthin fuhr. Ätherblau wars damals nicht, aber immerhin war der Horizont weit offen.

Meine Annäherung an Wien dauert nun schon ca. drei Jahrzehnte (seit meines ersten eher unwilligen Besuchs) und ein gewisser „Grundakkord“ hat sich manifestiert. Er bedingt, dass ich mich mittlerweile immer sehr freue, wenn ich nach Wien fahren darf.
Erstmals richtig erforschte ich die Stadt auf meine Weise während einer Maiwoche Anfang der Neuzigerjahre. Es folgten dann weitere kleinere und größere Aufenthalte, seit einigen Jahren nun bei lieben Freunden, die in Hütteldorf wohnen. Allen diesen Besuchen gemeinsam ist, dass neben Ausflügen in einzelne Bezirke ein wesentliches die Erforschung der unmittelbaren Wohnumgebung ist. Wien ist einen vielfach mit dem Ländlichen verbundene Stadt. Einen Stadt in der man merkt, dass das Zivilisatorische nur wie eine Haut über ein naturgegebenes "Grundgerüst" gespannt wurde. Die Stadt Wien lebt im Besonderen von der Verschränkung zwischen Stadt und Landschaft – von den Übergängen dazwischen. Den "Grenzwäldchen" zur Westseite hin und der "herein schneidenden Offenheit" der ungarischen Tiefebene im Osten. Wer das in Wien genossen hat, wird es auch in anderen europäischen Städten suchen und meist auch mit etwas offenem Auge finden.

Anm.: Die unter "..." gesetzten Formulierungen sind aus Doderers Werken entommen, bevor noch jemand meint, ich plagiiere....
*)"hinten offen" ist hingegen ein Zitat meiner Mutter, eigentlich (nicht schmeichelhaft) über Venedig gemeint
Der ehemalige Zahnradbahnhof in Nussdorf. Der D-Wagen fährt dorthin und so ist der Platz nicht gleislos. 
Dort wo sich "Gassen und Landschaft" vermischen.
Heinz Conrads hat das Zahnradbahnlied hier interpretiert. Ein Lied das vielleicht den Sucus der Stadt Wien darstellt. Gutes, wie Schlechtes. Ein Lied, das zeigt, dass man wahrscheinlich der Stadt Wien altersmäßig entgegen wächst…..

In den letzten Jahren hat sich nun meine Wahrnehmung Wiens merklich verändert, da es mich immer mehr dazu drängt, die Tage in Wien einfach so zu verbringen, wie ein Wiener der frei hat, aber nicht oder nur wenig aus der Stadt raus möchte. So auch der kürzliche Aufenthalt über ein verlängertes Wochenende:
Ich bemerkte, dass die Wanderung durch das Haltertal im Hinterland von Steinhof wahrscheinlich doch wesentliches über Wien sagt. Vielleicht ist diese Gegend ein Fraktal aus dem ganz Wien rekonstruiert werden könnte?

Auch aus einem anderen Grund ist dieser Ort denkwürdig, da sich mehrere Schlüsselszenen in Heimito von Doderers Romanen dort oder in als Seelenlandschaften vergleichbaren Gegenden abspielen. Zwar nicht die - nomen est omen - „Die Strudelhofstiege“, die als Gesamtes nicht zu meinen absoluten Lieblingen gehört – aber  „Der Grenzwald“, „Die Wasserfälle von Slunji“ die „Dämonen“, „Ein Mord, den jeder begeht“ oder auch  "Die Wiederkehr der Drachen“. Doderer lese ich erst seit ca. 10 Jahren; ein Arbeitskollege hat mir einmal „Die Menschwerdung des Amtsrates Zihal“ und „Die Merowinger“ empfohlen.
Den Raum um Wien haben mir all diese Romane wesentlich näher gebracht - ganz abgesehen davon, dass ich so etwas mehr hinters Romanlesen kam....
Am Grunde des Haltertals, dort wo die Flusskrebse wohnen
Einschub: Die Strudelhofsteige, endlich einmal besucht, letzten Samstag
 Und so schwingen geborgte Erinnerungen anderer Menschen mit, wenn man durch die „bedenkliche“ Landschaft des Haltertals hinaufsteigt; mit den Kindern unserer Freunde ein Spiel mit „Mord- und Unfallrätseln“ auflösend. 
 Der Wald ist noch durchsichtig. Alles durchgrünt vom Bärlauch und beherrscht von einem erstaunlicherweise blumigen Knoblauchduft. Oben weiter, doch unscharfer Ausblick in den aufsteigenden Dunst des späten Vormittags. 
Entrückt im Geäst die goldschimmernde Kuppel der Steinhofkirche.
Ein Pavillon der Nervenheilanstalt Steinhof

Beim Abstieg ins Haltertal wieder vorbei an den Schrebergarten – Datschas dies seltsam behelfsmäßig, klein und krumm in der Landschaft stehen. Das sind wahrscheinlich die fehlenden Glieder in der Entwicklungsgeschichte zwischen Zelt und Haus. 
Die Straße zu den Kleingärten im Haltertal

 Erinnerungen an Wiener Landschaften aus der engeren Umgebung Innsbrucks steigen hoch:
Ich erinnere mich an einen Vorbau eines Wohnhauses bei Schloß Ambras.
Eine provisorische Metallkonstruktion. Der Vorbau – ebenso, wie das Haus an dem sie sich anlehnte, schon andeutungsweise im Begriffe von der Natur zurückgeholt zu werden. Ein heißer Sommernachmittag. Die Konstruktion ist offen indem ein Laden über die gesamte Breite des Vorbaus mit Metallstangen ähnlich einer Motorhaube hochgeklappt wird und so als Vordach des dort befindlichen Kiosks funktioniert.
Eine Schöller-Eis--Fahne (das alte Logeo ist hier zu sehen)  - ausgsteckt is´. Eine Underberg Emaille-Reklametafel gab´s wohl auch. Aus der Öffnung heraufwehender kühler Kellergeruch. Es gibt Kracherln, Eis, Bier Süßigkeiten.
Ein älterer glatzköpfiger Herr mit beachtlichem Leibesumfang sitzt auf einem Holzklappstuhl neben dem Verschlag in der Sonne. Etwas schwerfällig erhebt sich der Herr von seinem Sitzplatz, richtet seine Hosenträger und tritt über einen Seitentür in den Verschlag um nun seines Amtes zu walten.
Wir (v.a. mein Vater und ich) gehören zu den guten Kundschaften. Jeder isst mindestens zwei Eislutscher, Eisorangen oder Rumfässer.
Ich versuche mich an den Inhaber des Kiosks genauer zu erinnern. Auch meine Mutter kann mir dabei nicht viel auf die Sprünge helfen. Vielleicht war der Herr ein Ostösterreicher. Er hätte jedenfalls auch gut in einem Kiosk an irgendeinem der Wege sitzen können, von denen man aus der Vorstadt in den Wienerwald verschwindet.
Ich glaube mich zu erinnern, dass der Herr etwas von der seriösen aber eben doch nicht rein bürgerlich gegründeten Art eines Zirkusdirektors hatte. Ein Mann, der Vertrauen vermittelt – aber eben auch eine Ahnung des Gegenteils.


Wie immer stellt man fest, dass man wichtige Bilder zur Erinnerung nie gemacht hat. Links das Haus mit dem Kiosk, rechts im Geäst...

Das Haus steht übrigens noch heute. Der Verschlag mit dem Kiosk ist nicht mehr. Dahinter stieg ein früher dem Haltertal nicht unähnliches Tälchen an – zur Station Schönruh. Mittlerweile ist das Tal durch die begradigte Straße nach Aldrans abgeriegelt. Gegenüber dem Haus steht ein baufälliges Objekt, dessen Renovierung mehrmals versucht wurde, bisher aber gescheitert ist. Dieses Häuschen ist das im Volksmund sogenannte Mörderhäusl, Ort einer längst vergangenen Bluttat. Womit wir wieder in der "bedenklichen" Landschaft des Wienerwaldes, jedoch zurückgekehrt auf dem Paschberg wären.