Sonntag, 23. Dezember 2018

Überall in Tirol fand man in den 90er Jahren Überreste des Tennishallenbooms der 70er Jahre. Die großzügigen Hallen waren nun bereits in die Jahre gekommen und zeigten Zeichen des Vorfalles. Es tropfte durch Dächer und die großen Belichtungsflächen an den Giebelseiten vergilbten da die Polycarbonatabdeckungen der ersten Generation die UV Bestrahlung kaum ertrugen. Auch die Hallen am Paschbergweg gehörten zu dieser Art von Gebäuden.

Die alten Hallen, vom Paschbergweg aus gesehen

Wie ein Memento Mori stand und steht westlich daneben noch ein Wohngebäude das astrein auch dieser Zeit zuzuordnen ist. Erkennbar ist das an den dunklen Holzapplikationen und auch an der breiten weit ausladenden Gebäudeproportion die eine moderne Interpretation eines ländlichen Bauobjekt sein möchte. Noch dazu nennt es sich „Appartmenthaus“ in der Mode der Siebzigerjahre. Immer, wenn ich solche Häuser sehe (der Bezirk Kitzbühel ist z.B. voll davon), denke ich an Filme mit Roy Black und vielleicht noch an Heino und natürlich an Autobusbrillen, kratzige Rollis, schmierige Frisuren und Schlaghosen.

Bei der Halle am Paschbergweg ging das Sterben, von der Straße aus betrachtet, relativ leise vonstatten. Die Gebäude schienen noch in Verwendung zu sein, als sie es bereits längst nicht mehr waren.
Am 15.07.2014 endete laut einem Prüfbericht für den Innsbrucker Gemeinderat bereits der Sportbetrieb.


Im Herbst 2014 wurden die Hallen verwendet, um die Ergebnisse des Wettbewerbs zum Haus der Musik dort zu präsentieren. Die Hallen reichten damals gerade aus für die Menge von Beiträgen.
Ich erinnere mich, dass mir der schließlich im zweistufigen Verfahren prämierte Beitrag gefallen hat und ich bei der regen Diskussion dort die Gedanken der Jury nachvollziehen konnte, wobei ich dachte, dass die Aufgabenstellung etwas mutlos formuliert war und man entwerferisch nicht weiter kommen kann, wenn man sich an die Vorgaben hält. Erinnern kann ich mich auch noch an den Beitrag von Architekt Ortner, der zwar eindeutig gegen die Vorgaben der Ausschreibung verstieß, aber eine wichtigen Akzente für die Stadt dorthin gesetzt hätte, wo momentan hohe Gebäude fehlen und bewirken, dass das eigentliche Stadtzentrum immer mehr hinter dem Hochhausabstellplatz am Bahnhof verschwindet.
Ja, Innsbruck hätte die Hochhäuser von Gerstel  und Ortner (Ortner/Kröss/Messini/Köberl)  gebraucht. Die bald drei Pematürme sind zwar einzeln genommen ganz gefällig, aber doch genau genommen nicht mehr als die im Bauträgermilieu üblichen monumental überhöhten Bettlerzinken am falschen Ort, die zeigen, dass man hier die öffentlichen Hand ganz gut übers Kreuz legen kann. Hier schließt sich der Kreis, wir kommen von den Bettlern in Anzug und Krawatte (die das Bettelverbot leider nicht abzuschrecken vermag) wieder zu den wirklich Armen:


In den Jahren der stärksten Flüchtlingswellen waren die Hallen zur Hand um große Notquartiere anbieten zu können. Bis zu 300 Personen fanden dort in Spitzenzeiten Unterkunft, wie in Zeitungen damals berichtet wurde.

Im Hintergrund rang man um eine Lösung zur Neuerrichtung einer Tennisanlage für den dort angesiedelten Tennisverein (Architektenwettbewerb im September 2015). Eine Studie hatte man bereits vor Nutzung der Hallen als Asylunterkunft erstellt und es schien von Außen betrachtet, als ob die Sachzwänge die erneute Nutzung des Areals in der vorherigen Form hinaus schoben. Doch als sich die Lage für die ankommenden Flüchtlinge etwas entspannte und räumlich gleichmäßiger verteilte Quartiere gefunden waren, stand die Halle, ehe man es sich versah, wieder leer. Die Benützungsbewilligung endete ohnehin laut einem TT Artikel aus dieser Zeit am 30.4.2016.  



Endspiel. Zwei Jahre nach dem letzen Tenneismatch geht dem Bauwerk an den Kragen
 Danach ging es an die Demontage der Objekte. Ich erinnere mich an einem trüben Vormittag im November 2016, als bereits einzelne Seitenwände der Hallen eingerissen waren und ich mit dem Fahrrad noch eine Abschiedsrunde durch die Objekte drehte. Die Hallen sahen einfach nur abgewohnt aus, so wie sie bereits 2014 erschienen. Dass ihre letzen drei Jahre die mit Abstand aufregendsten waren, konnte man den abgenutzten Bodenbeläge jedoch nicht ansehen. 
10.12.2016, die Eternitplatten sind weg. Nun kann die Dachkonstruktion demontiert werden
Bereits um Weihnachten 2016 waren die alten Hallen weg. Was sich am längsten durch den Herbst hinzog, war der Abbau der Eternitdachplatten, die in den Siebzigerjahren noch Asbest enthielten. Sie mussten ähnlich aufwendig manuell entfernt werden, wie jüngst die Eternitfassade des ÖBB-Hochhauses (der künftige dritte Bettlerzinken) am Busbahnhof.

Mitte Jänner 2016 sieht man im Hintergrund nur mehr verscheinte Wiese
Während im Hintergrund die Schanze für die Air&Style aufgebaut wird, tut sich kurz nach Lichtmess 2016 noch nichts auf der Baustelle

Im Frühjahr 2017 begannen den die eigentlichen Bauarbeiten. Gerade in dieser Zeit war aber die Trientinerbrücke gesperrt, sodass ich nur gelegentlich den Umweg dorthin in Kauf nahm.


Im März beginnt man dann die - Altlasten auszugraben - hier einen  Erdtank.


 
Erst im Juni nehmen die Bauten Gestalt an. Hier die nördlichen Fertigteilfundamente für die Dachträger.




Mitte Juli werden die Pfeiler der Dachträger in die Köcher eingesteckt....und dann passiert längere Zeit nichts am Hochbau, währden die Außenanlagen planeirt werden.





In der letzen Semptemberwoche werden die Dachträger eingesetzt und versteift.

Im Sommer 2017 wurden die Eckpfeiler der neuen Dachkonstruktion gesetzt. Zu Herbstanfang kamen dann die Dachträger und bis Weihnachten wurde das Gebäude äußerlich geschlossen. 
 
Der Innenausbau geht unter verschlossenem Dach im Winter vor sich



...und im Frühjahr (2018!) werden die Oberlichtbänder alllmählich aufgemacht.

Irritierend war dabei das scheinbare Fehlen der geplanten Dachverglasungen, doch nahm ich an, dass das nur ein Provisorium zur Überbrückung der Baustellenruhe im Winter sei. Diese Vermutung hat sich dann auch im Frühjahr 2018 bewahrheitet, als nach und nach die Glasbänder ausgepackt wurden. 


Noch zwei Impressionen aus dem Herbst 2017, noch mit geschlossenen Oberlichtbändern.

Hier sieht man die Sitzstufen für den Beachvolleyballplatz


So wurde der 2016 prämierte Architektenentwurf von Beaufort  (gute Architekturaufnahmen davon sind dort zu finden) ziemlich genau umgesetzt. 

Im Frühjahr 2018 wird der Tartanbelag (nun wird man beim Tennisspielen keine Quecksilbervergiftung mehr bekommen) eingebracht

Das fertige Bauwerk nimmt Gestalt an; die Außenanlagen werden ergänzt. Im Sommer 2018 begann der Betrieb.
Nachtrag: Aktuelles Photo vom 21.12.2018

Einzig der nordseitige überdachte Radabstellplatz, der ein optische Gegengewicht zum südliche Clubhaus bilden hätte können und von dem aus man zu den öffentlichen Beachvolleyballplätzen hätte hinkommen sollen, wurde nicht so gebaut. 
Ich nehme an, das hat damit zu tun, dass man 
1) einen einzigen kontrollierbaren Eingang haben wollte und 
2) Sportler, wie wir wissen, des Alltagsradfahrens eher nicht mächtig (oder nicht Willens) sind, sondern meist (selbst zum Radeln) mit dem Auto fahren ;-)

Freitag, 28. September 2018

UIC oder UCI?! 

Nicht, dass ich mir darauf etwas einbilde:  Ich hatte bis gestern stets das Problem, dass mir nicht auffiel, wenn über den Rad-WM Organisator gesprochen wurde, das Kürzel UCI fiel . Ich hatte immer nur UIC verstanden. Das könnte an Legastenie liegen. In diesem Fall aber war mir lange Jahre schlicht und einfach nur UIC, Union internationale des chemins de fer, ein Begriff.

Etwas über 13 Mio Euro soll die Veranstaltung kosten. Man erhofft sich weltweite Werbeeffekte und Umwegrentabilität, wie damals bei der Fußball-EM in Innsbruck, die sich aber laut Landesrechnungshofbericht nicht erfüllte (trotz auch damals perfekten Wetters).

Wie dem auch sei. Einen Nutzen gab und gibt  es offensichtlich: Die Iglerbahn fährt halbstündig.

Und so wartete ich und auch einzelne (mitunter weitgereiste) andere im Wald, um Schnappschüsse der nun häufiger fahrenden, zwischen 10 und 18 Uhr recht gut gefüllten (toll war es auch nicht, denn der J fuhr trotzdem gleich häufig), Bahn zu machen, während andere (häufig weitgereiste) am Wegesrand campierten und auf Radfahrer warteten.
 
Kehre unter Tantegert

Badhaussiedlung, kurze vor  dem letzten Pass


Tantegert, Begegnung in der Ausweiche


Der Kameramann filmt nicht etwa die noch verbliebenen Stützen der alten Patscherkofelbahn

Unterhalb der Welserquelle fährt die Iglerbahn mit Fans zur Fanzone Schloß Ambras bzw. zur Fanzone Tantegert


Die letzten Radler schnaufen zum Pass
Ich zahle jedenfalls meine Steuer für den Halbstundentakt der Igler. Mögen Hoteliers u. Co. die 13 Mio für die Rad WM zahlen.

Donnerstag, 23. August 2018

Eine letzte Sommerimpression


Und was geschah sonst im Sommer (außer seltenem mit der Igler fahren)? 


Z.B. ein Ausflug bei mäßigem Föhn zum Durrensee; wie sich die Rückfahrt mit der Patscherkofelbahn gestaltete,  ist Gegenstand diverser launiger Unterhaltung mit Freunden und Kollegen. Hier verbreitere ich mich darüber nicht ;-)

Der Föhn vermochte die Ohren der Schafe nur wenig zu verformen

Noch schnelle ein Selfie vor dem Tauchgang mit Billigunterwasserkamera


Fast wie die Südsee. Soger die Wassertemperatur in diesem Sommer

Das sollten Kaulquappen drauf sein, diese ware jedoch etwas photoscheu

Der klassische Blick, diesmal mit Seeboden


 

Sonntag, 15. Juli 2018

Impressionen vom Paschberg im Juli 2018

Der Garten von Tantegert geht wie gewohnt vor Blüten über.

Die Steingesichter scheinen sich Jahr für Jahr zu vermehren.

Der Efeu hat das Häusechen selbst wieder so im Griff wie früher.

Der Pfundser Bär hat es aber glücklicherweise nicht bis hierher geschafft, nur seinen Holzreplik. Lt . Tiroler Bärenanwalt ist der echte schon vor einiger Zeit nach Sent (Engadin) weitergezogen.

Parallelweg zum Lansersteig unweit der Paschbergkapelle

Manchmal frage ich mich, ob die Villa Candoris in Köhlmeiers Roman "Abendland" nicht die Villa Öllacher sondern die markante Villa Seerosenweiher 71 ist. Mittlerweile hat diese Villa ein schön ins Gelände integriertes Sockelgeschoß mit solarbeheiztem Schwimmkanal bekommen. Der Schwimmkanal dürfte als Infinity-Pool  ausgestaltet sein, der aber mangels Meer doch nicht unendlich ist. Jetzt muss man nur noch den Halbtrockenrasen, der hier früher den Hang prägte, gut rekonstruieren. Das hat noch nicht geklappt. Wahrscheinlich wird zu viel bewässert ;-)

Ein seltener Gast am Paschberg taucht im Sommer wieder öfter auf, muss jedoch im Vergleich zum alten Fahrplan einen Stunde früher ins Bett und darf dafür erst um 10 Uhr früh raus.

Die Badeanstalt am Lanser See wurde renoviert. Wie tiefgreifend weiß ich als Tivoli- und gelegentlicher Bergseeschwimmer (mir ist leidlich klares Wasser lieber) noch nicht. Interessant ist dass sie dem allgemeinen Trend zur Folge Farbe verloren hat. Was bei den Stationen der Patscherkofelbahn gut aussieht, muss aber nicht zwingend auch hier gut sein. Die Ursprungsausführung der Badeanstalt war ja eher Frank-Lloyd-Wright folgend in den Erdtönen der Usonian Houses. Wie auch immer - die Sanitärbereiche wurde offensichtlich merkbar verbessert (s. Glasbausteinwände). Richtig äußere ich mich erst, wenn ich es auch Innen gesehen habe.

Um halb sechs Früh denkt aber hier noch keiner ans Schwimmen. Ich auch nicht (Impression von einer Wanderung zum Morgenkogel, den ich aber erst am frühen Nahcmittag erreichte)

Sonntag, 1. Juli 2018

Z 1700

Am 9.10.2015 fuhr ich kurz vor Beginn der Revisionszeit mit der Seilbahn auf den Patscherkofel um noch einen letzten Herbsttag am Kofel zu genießen.


Es war in dieser Zeit nicht ganz klar, wann die letzte Fahrt mit der alten Seilbahn direkt von Igls aus möglich sein würde; dass es bis dahin noch fast zwei Jahre wären, war damals längst nicht offensichtlich. 

Die Herbstnebel umhüllten den Kofel und ich wanderte zum Gipfel, um aus der Wolkenschicht hinaussehen zu können. Die feuchte Luft dämpfte jedes Geräusch. Nach ca. 80 Höhenmeter Aufstieg brach die Sonne durch und gab den Blick auf das weich gebauschte Nebelmeer über dem Inntal frei. Die tiefstehende morgendliche Sonne legte den Schatten des Kofels über dieses Meer aus dem einzelne Wolkenfetzen befeuert durch die beginnende Erwärmung des Tages hochstiegen. Die verfärbten Lärchen waren von glitzerndem Tau überzogen. 

Patscherkofelhaus im Nebel
Brockengespenst. Das wird uns im Text in gewisser Weise nochmals begegnen.

Diese Anblick genießend wanderte ich gemächlich über den Kofel nach Boscheben, wo die Nebeldecke gerade den Grat berührte….und weiter auf dem Zirbenweg , dort wo der Weg in den Doppelgrat wechselt. Ein verwunschener Platz, der wie ein überdimensionaler Steingarten wirkt. Mit einem Schritt gelangt man dort von einem trockenen Waldhang, den immer wieder die Sonnenstrahlen durchbrechen und den stets harziger Geruch umweht, auf eine Seite im Zwielicht: 

Felsplatten, wirr aufgetürmt und verkeilt, teilweise von Moos und Flechten bewachsen, Schlünde und Klüfte die ins Bergesinnere reichen, Gestrüpp, gestürzte Bäume, dunkel und feucht aushauchende Erde. Behütet von zwei niedrigen Bergflanken, die den Blick nach außen hemmen, Wind abschirmen. Ein seltsam entrücktes und wohl auch manchmal unheimliches Paradiesgärtchen. 

Hier an diesem Ecke saß er wohl damals, am 1.7.1950. 

Das dachte ich mir eben als ich den Garten betrat. 


Nicht einmal dran denken. 

Doch der Reiz des Grauens ist manchmal stärker. Unschlüssig wanderte ich durch den Garten weiter ostwärts, dort wo der Zirbenweg dann endgültig auf die Inntalseite wechselt. Eine Bank mit Blick auf den Issboden steht dort etwas abseits des Weges. 

Die Geschichte kannte ich wohl schon lange aus Erzählungen meines Vaters. Er hat bei Touren am Kofel darüber gesprochen, ob es wohl in diesem oder jenen Blockfeld, bei dieser oder jener Felsformation geschehen war. Er wusste es nicht. Damals waren die Akten noch nicht allgemein zugänglich. Fast betulich besprach er diesen oder jenen Ort als wollte er dort ein Murmeltier herauskitzeln, wohl wissend dass es sich beim „Zingerle“ um kein possierliches Wesen handelte. 

Im Herbst 2015 hatte ich gerade ein Buch über ihn gelesen, in dem Ort des Geschehnisses ziemlich genau, auf ein ca. 1ha großes und ca. 100 Höhenmeter umfassendes Areal zwischen Issboden und Zirbenweg eingegrenzt wurde. Mir hatte diese Information an sich gereicht und schien mir nicht die Neugier nach noch mehr Detailwissen anzuregen. 

Dieser 9.10.2015 war aber anders. Ich saß nur kurz auf der Bank und ließ den Blick über Jochtal, Issboden und vorbeistreichende Nebelfetzen schweifen. 100m von hier. In den Fünfzigerjahren stand ein Gedenkkreuz dort. Stünde es noch heute? Wo mag es wohl sein auf einem Hektar Blockfeld? Mittlerweile stieg der Nebel wieder und bannte die Sicht nach unten. Ich schlenderte den Zirbenweg weiter. 

Jäh führt wenige Meter weiter ein Steig links hinab in den Zirbenwald. Der Weg zum Issboden. Altbekannt. Ich stieg ab, 20, 40, 60 Höhenmeter. Dort blieb ich unvermittelt stehen und wanderte westwärts ins Gelände. Nach wenigen Meter Ernüchterung. Nein hier würde ich es an seiner Stelle nicht machen. Sollte ich noch tiefer steigen? 

Ich kehrte um. Bergwärts. Ein weiter Versuch. Ein kleiner Boden. Vielgestaltige Wildgänge, die sich zwischen Horsten von Blau-, Rausch- und Krähenbeeren verzweigen und wieder zusammenfinden, schlussendlich auf einem schmalen von Almrosen teilweise überwucherten Pfad treffend, zwischen zimmerhohen Felsstufen beinahe eben verlaufend hinein in ein Blockfeld. Einzelnen Stufen zwischen Steinen. Oder doch nicht? Die Spur verlief sich. Ich stand da. Der Nebel nicht mehr sehr stark, denn von oben brach die Sonne durch. Um mich herum jedoch noch immer nur Schemen. "Ich werde mir das ein anderes Mal bei besseren Verhältnissen ansehen müssen", dachte ich. Denn der Fels ist vom Nebel feucht. Kein guter Zeitpunkt zum Blockfeldhüpfen. Ich wandte mich um. 

Eine Unstimmigkeit im Augenwinkel zwang mich innezuhalten. 
 
Suchbild, kurz nach dem beschriebenen Augenblick aufgenommen

Kaum fünf Meter von meinem Standplatz das Kreuz. Unverändert, wie es einst um 1950 aufgestellt wurde. Mit eingefrischter Zirbentaxe in einem kleinen Glas. 

Meine Nackenhaare sträubten sich. Nicht wegen des Ortes sondern wegen meiner Methodik des Dorthinfindens. Beschämt gedachte ich des Opfers. 

Interessant ist, dass für englischsprachige "Mord" eindeutig ist, für uns jedoch das adjektiv "bestialisch" nötig schien.

 Verhalten neugierig blickte ich in die Höhlung unter dem großen Block, wohl kaum 2 auf drei Meter groß und vielleicht 1,5m hoch, die ein kurzes doch qualvolles Gefängnis an jenem Abend des 1.7.1950 war. Ich habe den Ort danach ziemlich zügig verlassen und mich den sonnigen Anhöhen zugewandt. 

Zurückgekehrt bin ich recht bald wieder, da die Seilbahn auch noch Anfang November 2015 weiterfuhr. Damals war das Wetter „sachlicher“ und ich habe den Platz noch einmal „bei Lichte betrachtet“. Über das Erlebnis habe ich im kleinen Kreis seit damals öfter gesprochen. Interessant dabei ist das „Verhängen“ der Gedanken beim Täter, nicht wie es sich geziemen würde, beim Opfer und ich bitte diese Gedankengänge nicht als pietätlos zu werten: 

Wie ist er wohl von der Langstraße zum Issboden gegangen? Welche Spur mag dem echten "Zingerlesteig" folgen, rechtwinkelig zum Almenweg 1600? War Zingerle im tiefsten Inneren ein Romantiker, der eine Gespielin in seinen Murmeltierbau locken wollte? War er durch seine Jugend und Kindheit falsch programmiert oder hat ihn der Aufenthalt als Soldat in den italienischen nordafrikanische Kolonien (Abessinienkrieg) abartig geprägt? 

Die Geschichte war bei meinem ersten Besuch 65 Jahre her. Unmittelbare Angehörige des Opfers leben wohl längst nicht mehr. Bei aller Grausamkeit ist das Verbrechen, selbst wenn man vor dem Ort steht, merkwürdig abstrakt. Was bleibt ist der Gedanke, dass auch an sehr schönen Orten nicht mit Sicherheit gesagt werden kann, ob sich dort Gewalttaten zugetragen haben. Dieses Möglichkeit schwingt immer mit. Immerhin bin ich mehr als 40 Jahre an dem Ort gewissermaßen ungerührt vorbeigegangen.

Bei einer abendliche Tour im Sommer 2017
Epilog:

Interessant ist, dass der Stoff kürzlich verfilmt wurde. In der Liste der Sponsoren taucht auch die Patscherkofelbahn auf. Der Film wurde bis jetzt aber m.W. nicht ausgestrahlt.

Online ist das Geschehnis übrigens hier in einem Artikel von Frau Petra Happacher ausführlicher beschrieben. Sie hat offenbar etwas länger als ich gesucht, bis sie den Platz fand.